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Reden Sie sich ruhig raus, auf der DRUPA.

Drupa, Neues, Tolles, gerne
Drupa, Neues, Tolles, muss das sein?

Ach was muss man doch von bösen Kindern hören oder lesen,
so wie von diesen welche Multichannel und Veränderungen hießen.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nicht über das Erlebte dieser zweieinhalb Tage im Juni des Jahres 2016 zu schreiben. Einfach den Mantel des Schweigens darüber legen, schön mit dem Strom schwimmen…

Nein, das bin ich nicht, so kennt man mich nicht. Was hab ich zu verlieren? Einer sollte es doch ans Tageslicht bringen. 2012 wurde auf der DRUPA wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen. Benny Landa begeisterte das Publikum und verwirrte die Herstellerkollegen mit seinen Visionen. Visionen, allein dieses Wort war zur Floskel verkommen. Gerade bei den großen Maschinenbauern ist dieses Wort bis dato nur in Werbersprache bekannt. Einmal gebaut wurde nett verfeinert, jedoch wirklich neu und umfassend hat sich niemand entwickelt. Der Digitaldruck wurde mal wieder nach vorne gestellt und diesmal mit dem digitalen Inkjet als Offsetkiller ins Rennen geschickt. Cross-Media als Buzzwort etabliert wurde nett mit Beispielen präsentiert, reine Laborbeispiele versteht sich.

Da stehe ich nun mit dem geschätzten Kollegen Andreas Weber in der Halle 8b der Messe Düsseldorf an diesem schwülwarmen Junitag, denke an nichts Böses, doch nach dem Kommentar Andreas Webers zur Begrüßung lief es mir kalt den Rücken herunter: „Na, Herr Kopocz, ist doch so, als wäre man nie weg gewesen.“

Das hatte gesessen, denn er hatte recht. Auf meinem ersten, kurzen Rundgang durch die Hallen 8 fiel mir zunächst nicht auf, wie sich in den meisten Fällen die Darstellungen, Worte, ganze Gespräche zu wiederholen schienen. Denkwürdig. Sollte sich in den vier Jahren nach der von allen Seiten als „nicht besonders erfolgreiche Drupa 2012“ bezeichnete, wenig bis nichts geändert haben?

Ernüchterung schlich sich ein, dieser Sache sollte man auf den Grund gehen. Schon im Vorfeld war im Rahmen der Einladungskampagnen namenhafter Digitaldruckhersteller und Weiterverarbeitungsspezialisten, welche sich auch lieber Finishing Solution Provider schimpfen, um zu verheimlichen, dass es um graue, blaue, schlichte Kästen geht, nicht wirklich Begeisterndes zu hören oder zu lesen. Seit geraumer Zeit erfreue ich mich der werblichen Ergüsse dieser Unternehmen. Von einigen bin ich Kunde, von einigen neugieriger Interessent. Aus Sicht im Stil der Stiftung Warentest sondierte ich die Einladungen. Sofern überhaupt eine kam. Viele hatten, ähnlich wie bei Weihnachtsgrüssen, ganz auf gedruckte Werke verzichtet und gleich die E-Mail benutzt, gerade mal mit Namen in der Ansprache, keinerlei weiterer Individualisierung. Ich echauffiere mich nur zu sehr, sofern ich weiter darauf eingehe. Arm, ganz arm.

Wenden wir uns wieder unseren anderen Testunternehmen zu. Alle reden von Lösungen, Unternehmenstransformation, neudeutsch Wandel, Digitalisierung, Multichannel. Wohlgemerkt, reden. Praktisch sieht die Welt anders aus.

Ohne Namen zu nennen hier ein subjektiver kleiner Einblick. Da findet sich der weiße DIN Lang Umschlag eines Papierlieferanten ohne Absender mit einer billig wirkenden Adressierung im Stil einer Telefonrechnung mit altargefalzter Einladung, welche nicht nur schief verarbeitet, sondern außer der Anrede keinerlei Individualisierung enthielt; da Reihen sich Unternehmen der oben erwähnten Maschinenbauer ein, tolle Qualität des Drucks, ein Gutscheincode, wieder keine weitere Individualisierung, oh doch, der Vertriebmitarbeiter war auf mich zugeschnitten. Weitere Kanäle entsprechend mehrkanalig: Fehlanzeige. Obgleich aus Sicht der beiden Unternehmen die Einbindung des DRUPA-Webseitenlinks sicherlich den Tatbestand Mehrkanal bereits erfüllt.

Ein Lichtblick, so bietet doch ein Digitaldruckmaschinenhersteller zumindest eine Landingpage zur Registrierung in seinem veredelten silbrig glänzenden Mailing an. Webseite vom Mobiltelefon aufgerufen, schon war die Freude getrübt. Auf der Ziellinie versagt. Doch dann, Trommelwirbel! Ein weiterer Hersteller, diesmal aus der Flüssigtonerwelt überrascht mit einer individualisierten Workshopagenda (leider neben aller deutschen Texte in englischer Sprache verfasst), doch die individualisierte Anfahrtskarte nebst Fahrtzeiten hat es dann wieder herausgerissen.

Favorit wurde ein Weiterverarbeitungsspezialist mit seiner personalisierten, individualisierten Kampagne. Die Qualität der Verarbeitung lässt sich diskutieren, inhaltlich gut, inklusive Aufforderung zur Terminvereinbarung auf persönlicher Webseite. Nach Multichannel Lehrbuch. Toll, bis zum Aufruf per Mobiltelefon. Abrufbar, doch eben nicht responsiv, da bin ich kleinlich. Hier nicht nach Lehrbuch, das gibt dem Ganzen zumindest hier eine etwas menschliche Note.

Da melde ich mich doch gleich an, um mir auch das feilgebotene individualisierte Präsent nicht entgehen zu lassen. Doch leider enthielt meine Bestätigungsmail in keiner Zeile meinen ausgewählten Termin, noch erhielt ich eine Erinnerung. So musste es einfach dazu kommen, dass ich den Termin schlicht verpasste.

Hier endet spontan der erste Teil von dreien, eine Trilogie also. Wollte ich schon immer einmal verfassen. 

Ein sonniger Junimorgen des Jahres 2016, ich bestieg den Learjet nach Düsseldorf. Air Berlin versteht es eben auf dem Rollfeld das richtige Feeling aufkommen zu lassen – Cliffhanger… Werbepause…

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